Naturstein & Grabmal

"Der Macht des Todes muß sich alles Leben beugen"
(Pater Donatus M. Leicher O. P.)

Und doch entfaltet sich und wächst an jedem neuen Tag immer wieder neues Leben. Tod und Auferstehung. Wie leicht gehen diese Worte über unsere Lippen, bis dann - in irgend einem Augenblick - der Tod in den Bereich des eigenen Lebens einbricht und uns einen liebenswerten oder gar einen geliebten Menschen entreißt. Wir werden zurückgelassen, allein, und die leidvolle Frage nach dem Warum quält uns. Der Schmerz, die Traurigkeit des Herzens, verdunkelt den Blick für die Gegenwart und die Zukunft, weil uns jeder neue Tag die vermeintliche Sinnlosigkeit des Lebens ins Bewusstsein schlägt.

Gerade in solchen Stunden erwächst dem Christen, wenn er aus seinem Glauben heraus zu leben versteht, die Hoffnung auf ein Leben, das kein Ende kennt, weil er der Verheißung seines Herrn, des auferstandenen Christus glaubt.

Aber auch dem, der nichts von dieser trostvollen Botschaft weiß, keimt durch alle Jahrtausende menschlichen Lebens eine Ahnung um eine solche Wirklichkeit; eine unstillbare Sehnsucht erfüllt sein Herz nach einem Leben, das kein Ende kennt. Geheimnisvoll stehen Worte wie diese vor uns: "Der Mensch wird geboren um zu sterben und er stirbt, um zu leben". In einer Kultur, die vom Christentum ihre stärksten Impulse erhielt, konnten solche Gedanken entstehen. Aber es gibt noch andere Sichtweisen des Todes. Eine davon meint, dass nur der tot sei, der vergessen ist. Und so setzt man seit jenen Tagen, da der Mensch sich seiner bewusst wurde, dort ein Zeichen, wo man einen Toten wieder der Erde zurückgab, aus der der Mensch, gemäß Bibel, gebildet wurde.

Zuerst waren diese sichtbaren Zeichen, die auf einen Toten hingewiesen haben, die über dem Toten aufgeschütteten Erdhügel. Wind und Regen haben diese Hügel bald wieder dem Erdboden gleichgemacht. Man legt Steine auf die Hügel, unter denen Tote lagen, und schuf so ein Zeichen von größerer Dauer. Jahrhundertelang haben solche Steinhaufen den Platz bezeichnet, wo ein Toter lag. Es entwickelte sich ein Totenkult und wir erfahren durch Grabfunde etwas vom geistigen Entwicklungsstand der Menschen jener fernen Zeiten.

Der Glaube, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, formte bestimmte Riten und im Grabzeichen aus Stein war der Tote gegenwärtig. In hochentwickelten Kulturen wurde versucht, in Wort, Bild oder symbolhaften Zeichen etwas vom Wesen des Toten, etwas von seiner einmaligen Persönlichkeit auszudrücken.

Wenn wir auch heute noch Zeichen auf die Gräber unserer Toten setzen, dann sollten wir bedenken, dass unter diesem Zeichen der tote Leib eines Menschen ruht, der in seinem Wesen einmalig war. Etwas von der Einmaligkeit diese Menschen, der hier als Toter ruht, sollte das Grabzeichen ausstrahlen, sowohl in seiner Form und vor allem im Symbol und der Schrift. Das können natürlich Zeichen der Hoffnung sein, aber auch Zeichen der Resignation. Bedingung ist hier zu beachten:

Diese Zeichen sollten echt und wahr sein. Und wie der Glaubende neben dem Zweifler ruht und der Liebende neben dem Hassenden, so können und sollen diese Zeichen nicht gleich, sondern eben verschieden sein, je nach der Art dessen, für den sie gesetzt werden. Aber immer sollten sie etwas von dem Menschen aussagen, für den sie stehen.

Zwar hatte jede Zeit ihre eigene Beziehung zu den Toten. Aber am Totenkult kann man ablesen, wie es mit der Ehrfurcht vor dem Leben steht. Und es sollte einen nachdenklich machen, wenn man liest: "Wie man die Toten ehrt, so werden die Lebenden regiert". Denn aller Totenkult geschieht um der Lebenden willen, denn er hilft uns, den Betroffenen und Hinterbliebenen, den durch den Tod eines Menschen in uns entstandenen Schmerz und die Traurigkeit auf eine menschenwürdige Weise zu bestehen.






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